Wilde Geschichten von unterwegs

Das schöne am Reisen sind die vielen Bekanntschaften. Von Mitreisenenden hört man immer wieder abenteuerliche Stories. Wie viel Wahrheit noch dahinter steckt, ist schwer zu sagen. Eine der Geschichten fand ich so witzig, dass ich sie mit euch teilen möchte.

Zwei amerikanische Jungs sind in Rio de Janeiro feiern und laufen nachts, hackedicht, durch die Straßen. Da kann man schon fast erwarten überfallen zu werden. Und so kam es dann auch. Zwei Brasilianer bedrohten sie, nahmen ihnen die Brieftaschen ab und verschwanden hinter der nächsten Straßenecke. Dort stellten sie wohl fest, dass beide Geldbeutel komplett leer waren, nicht mal Kreditkarten fanden sie darin. Da kehrten sie wieder um und luden die beiden Amis, die ja offensichtlich noch ärmer dran sind als sie selbst, zu sich nach Hause ein. Dort tranken sie gemeinsam weiter…

SAM_9441Als ich nach Brasilien reiste, habe ich schon fast damit gerechnet irgendwann überfallen zu werden, oder dass zumindestens mein Handy geklaut wird. Ob man will oder nicht, hat doch jeder seine Vorurteile gegenüber unbekannten Ländern, die meist nicht viel mit der Realität zu tun haben. Es mag wohl stimmen, dass man in Brasilien umsichtiger und bisweilen vorsichtiger sein sollte als in anderen Ländern, aber das sollte auf keinen Fall davon abhalten dieses faszinierende Land mit seinen gastfreundlichen Bewohnern zu besuchen. Ich erlebte eine wundervolle Zeit in Brasilien und möchte noch viel mehr von diesem farbenfrohen Land kennenlernen.

Ein kurzer Besuch in Rio

SAM_9391Im letzten Jahr war ich auch nur kurz hier und sah mir die größten Touristenatraktionen an. Der Christus, die wunderschöne bunt geflieste Treppe in Santa Theresa und der Sonnenuntergang über dem Zuckerhut.

Nachdem ich mit meinem mittlerweile unfassbar schweren Rucksack, der kiloweise brasilianische Süßigkeiten enthält, mit dem Motorradtaxi den Hügel SAM_9424in die Favela Vidigal hinaufgeholpert war, wurde ich mit einer tollen Aussicht vom Hostel über Ipanema belohnt und von Wesley empfangen. Das Hostel ist noch geschlossen und wird erst in einigen Wochen eröffnet. Gabriella hatte organisiert, dass ich hier bleiben darf, als einziger Gast, aber in angenehmer Gesellschaft.
BeimIMG_2167 Frühstück hat mir Wesley eine private Vorstellung gegeben, Applaus gab es auch von den Nachbarn. Mit Wesley habe ich mich, von allen die ich nicht verstanden habe, noch am besten verständigen können. Wir trafen uns irgendwo zwischen Englisch, Portugiesisch und Spanisch.

SAM_9372Es ist Winter in Rio. Unter dem wolkenverhangenen Himmel hüllen sich die Cariocas (Bewohner Rios) in ihre Wintersachen. Die Surfer laufen barfuß in Neopren mit ihren Surfbrettern durch Ipanema zum Strand.

Zur Fussballweltmeisterschaft 2014 wurde Rio auf Hochglanz poliert. Einige Favelas wurden befriedet. So auch Vidigal. Es bleibt trotzdem ein mulmiges Gefühl, wenn ich durch die Straßen laufe.

SAM_9416Von den Cariocas erfahre ich, dass eigentlich nur die Polizeipräsenz in den Favelas erhöht wurde, oder vielmehr eingeführt. Es gibt zwar auf der Straße keine Schießereien mehr, aber der Drogenhandel floriert weiterhin, nur hinter verschlossenen Türen. Bis zur Olympiade 2016 hat Rio noch viel vor, aber niemand scheint daran zu glauben dass die Maßnahmen danach genauso umfangreich weitergeführt werden. Zumindest haben mir SAM_9369alle beteuert, wie sicher die Gegend aktuell ist und ich mir keine Sorgen machen muß. Dies hab ich denn auch hinreichend ausgetestet, als ich mitten in der Nacht zurück in die Favela kam. Auf dem Weg ins Hostel fuhren mehrere Polizeiwagen an mir vorbei und die Waffen hingen demonstrativ aus dem Fenster, da kann man sich doch sicher fühlen…

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Brasiliens Köstlichkeiten

Die brasilianische Küche gehört nicht zu den leichten Küchen, aber sie ist unwiderstehlich…

Mittlerweile kann ich voll und ganz nachvollziehen, dass die Leute über das Essen aus Minas Gerais, der Staat in dem Belo Horizonte liegt, ins Schwärmen geraten. Ich hab mich auch schon mehrfach dabei erwischt.

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Tropeiro

Minas Gerais ist bekannt für Fejão Tropeiro, das aus Bohnen, Kohl, Zwiebeln, Eiern, Maniokmehl und eventuell Speck besteht.

Feijoada wird in ganz Brasilien gerne gegessen, ein deftiger Eintopf mit Bohnen, Rind- oder Schweinefleisch.

SAM_9335Churassquino sind saftige gegrillte Fleischspieße, die  nach Belieben mit knusprigem Maniokpulver paniert werden.

Zwischendurch oder zum Frühstück ein Pão de queijo, ein Käsebrot aus Maniokmehl. Lecker!

Eine tolle Sache sind die Selbstbedienungs-Buffet-Restaurants. Vor allem mittags gibt es eine große Auswahl, so kann man sich durch alle lokalen Spezialitäten probieren. Es wird nach Gewicht abgerechnet.
Eine Steigerung ist das Eiscreme-Buffet. Bei mehreren Eistruhen und allein 7 Sorten Açai fällt die Auswahl schwer. Dazu gibt es noch allerlei Soßen, Nüsse, Früchte und Süßigkeiten.

SAM_9423Açai ist mein ganz besonderer Liebling. Die tiefblaue Beere wächst auf einer hohen Palme. Für die Ernte muss die Palme erschwerlich beklettert werden. Die Brasilianer lieben ihr Açai und essen es am liebsten geeist mit Müsli zum Frühstück oder als Eis.

SAM_9399Jabuticaba (Plinia cauliflora) gibt es in Sabará, in der Nähe von Belo Horizonte. Die dunkelblauen Beeren, erinnern an Weintrauben mit fester Haut. Sie wachsen an Bäumen über den ganzen Stamm verteilt.

In den Saftbars gab es Caju, das wird mit Cashew übersetzt. Der Saft schmeckt aber sehr fruchtig und gar nicht nach Nuss. Auf dem Markt fand ich später die Antwort. Der Saft wird aus dem Cashewapfel gewonnen. Dabei handelt es sich um eine Scheinfrucht, da es sich um den verdickten Fruchtstiel handelt.

Als ich die Frucht kaufte, bejate der Verkaufer meine SAM_9396Frage ob ich denn die Nuss einfach so essen kann. Auch mit meinen eingeschränkten Portugiesischkenntnissen war das unmißverständlich.

Die Frucht ist sehr weich, druckempfindlich und sehr saftig. Die Konsistenz ist ein bisschen gummiartig, ähnlich wie ein Schwamm. Der Geschmack ist ein wenig pelzig und säuerlich. Es war schwierig die Nuss aus der Schale zu puhlen, sie war schmierig und bitter. Noch Stunden später hatte ich ein komisches Gefühl an den Fingern und Lippen. Heute weiß ich, dass das von dem toxischen Öl Cardol kam, das die Nuss umgibt. Es verursacht Schleimhautverätzungen und Hautreizungen. Daher werden Cashews direkt in der Schale geröstet, dann lassen sie sich auch besser öffnen. Nunja, das werde ich jedenfalls nicht mehr vergessen.

Wiedersehen in Belo Horizonte

SAM_9311Glücklicherweise fand ich über Couchsurfing Jane, die mich herzlich in ihrer niedlichen Wohnung aufnahm. Sie hat ein Jahr in Österreich verbacht und spricht fließend Deutsch.
Am ersten Abend fuhren wir in einen Vorort zu einem Streetworkout. Direkt neben der Straße trainierten schon die Männer und übertrafen sich mit beeindruckenden Kraftübungen. Das Zirkeltraining für die Frauen war machbar, aber doch sehr anstrengend. Immerhin waren einige der Brasilianerinnen noch untrainierter als ich.
Am nächsten Morgen begleitete ich Jane zum Crossfit. Ich hatte vorher noch nie davon gehört. Es sindSAM_9341 verschiedene Übungen mit Hanteln, die in einer festgelegten Reihenfolge in einem bestimmten Zeitraum durchgeführt werden. Ich hatte schon befürchtet ich könne nur zugucken, aber mit den leichteren Gewichten, nur halb sovielen Wiederholungen und ein bisschen Schummeln hab ich es hingekriegt und es reichte für einen ausgewachsenen Muskelkater.

Der Mercado Central ist zwar ein kleines Labyrinth, aber es gibt unheimlich viel zu sehen und vor allem zu probieren. Neben Kleintieren und Tiernahrung gibt es Havaianas, Cachaça, Sportlernahrung, Obst, Käse, Nüsse und andere Köstlichkeiten. Ich fand es wundervoll mich in den Gängen zu verlaufen und dabei immer wieder etwas Neues zu entdecken.

SAM_9299Hier traf ich Gabriella zum Mittagessen. Mit ihr war ich einige Wochen in Laos unterwegs und sie ist der eigentliche Grund für meinen Abstecher nach Brasilien. Sie ist Psychotherapeutin und zeigte mir ihr Büro. Da ich bisher noch nie die Gelegenheit hatte, machte ich es mir auf ihrer Therapiecouch bequem. Ich kann schon verstehen wie die Leute da ins Plaudern kommen. Eine Therapiestunde bekam ich jedoch nicht, da Gabi zu einer Paartherapie musste.

SAM_9329Am Wochenende schlenderten wir über die Feira Hippie, den größen Markt der Stadt, mit noch mehr Köstlichkeiten, Möbeln, Schmuck, Klamotten und Kleinkram. An der Ecke SAM_9333war ein Street Sale aufgebaut. Der Name ist irreführend, denn hier können sich Obdachlose gratis einkleiden. Ein junger Mann hatte gerade ein komplettes Outfit gefunden, das er stolz präsentierte, nur FlipFlops hatte er noch dazu an.

IMG_2118 Außerhalb der Stadt liegt der Museumspark Inhotim. Auf einem riesigen Areal liegen 22 Galerien und viele Skulpturen verteilt. Der Ausflug lohnt sich schon wegen des wunderschönen kunstvoll angelegten Parks mit der größten Palmensammlung Brasiliens.

SAM_9354Den Sonntagnachmittag verbrachte ich mit Gabriella und ihrer Familie. Wir fuhren in die kleine Stadt Sabará und aßen gemütlich umgeben von vielen anderen brasilianischen Familien in einem der leckeren Buffet-Restaurants.
Kurz bevor die Pforten geschlossen wurden, konnten wir noch einen kurzen Blick in das Museo de Ouro werfen. Es gab nicht viel Gold zu sehen. Es wird jedoch eine mörderische Statue ausgestellt. Ein Reiter aus Holz sitzt mit seinem gezogenen Degen auf seinem Roß. Eines Tages kippte er um und erstach einen Mann. Dafür wanderte der Übeltäter vorrübergehend ins Gefängnis.

Vielen lieben Dank für die wundervollen Tage in Belo Horizonte, Jane!

Thank you so much for these wonderful days in Belo Horizonte, Gabi!

Mehr Dschungel

In Manaus wollte ich gerne noch einen Eindruck vom brasilianischen Amazonas bekommen.

IMG_1837IMG_1817Mit einer 2-Tages-Tour zog ich mit Hanna wieder in die Wildnis. Wir überquerten den Amazonas. Nicht weit von Manaus trifft er hier auf den Rio Negro. Sie fließen eine Zeitlang nebeneinander, bilden eine scharfe Trennline und vermischen sich nur langsam. Neben dem offensichtlichen Farbunterschied, sind auch die Temperaturen deutlich abweichend. Der Rio Negro absorbiert das Sonnenlicht und ist daher wärmer als der Amazonas.

IMG_1830 Als wir in der Lodge vom Boot an Land gingen, stand eine Menschentraube um einen Baum herum. Da verschlang eine Schlange gerade eindrucksvoll ihr Mittagessen, einen Papagei. Es schien unmöglich, dass dieser große Vogel in diese zierliche Schlange paßt. Es dauerte seine Zeit, aber der Vogel war schließlich komplett verschwunden.

Wir gingen Piranhas fischen, hatten aber leider kein Anglerglück, die Biester klauten hauptsächlich die Köder. Nur Hanna fing einen kleinen Piranha, den wir abends probierten. Morgens fuhren wir früh raus um den wunderschönen Sonnenaufgang zu erwischen.
IMG_1967Bei der Wanderung durch den Dschungel zeigte uns der Guide wie man einen Unterstand, eine Matte oder eine Handtasche aus Blättern bastelt. Er demonstrierte uns eine ganze Reihe nützlicher Pflanzen und Bäume. Wir schnupperten an Rosenholz und kauten ein Stück bitteres Holz des Chinarindenbaums aus dem Chinin gewonnen wird. Wir beobachten Totenkopfaffen, die von Baum zu Baum sprangen. Die 24-Stunden-Ameise (Paraponera clavata, engl. Bullet Ant) gehört zu den größten Ameisen der Welt und ihr Stich wird als der schmerzhafteste Insektenstich bezeichnet. Eine andere Ameisenart wirkt auf der Haut zerrieben wie ein natürliches Repellent.IMG_1867

Auf dem Amazonas nach Manaus

IMG_1697Von Tabaitinga fuhr ich mit der Manuel Monteiro auf dem Amazonas über 4 Tage nach Manaus in Brasilien.
Ich hänge meine neue Hängematte auf dem Mitteldeck auf und hoffe sie hält. Es herrscht geschäftiges Treiben an Deck, während sich die Passagiere für die nächsten Tage einrichten. Nach und nach entsteht ein dichter Wald aus vielen bunten Hängematten. Zuletzt habe ich Nachbarn die knapp 10 Zentimeter von mir entfernt schaukeln und öfter mal mein Bett anschubsen. Die Privatsphäre beschränkt sich demnach unmittelbar auf die eigene Hängematte. Eigentlich nicht mal das. Mein Nachbar beugt sich schamlos herüber um zu gucken was ich mit meinem Handy mache und andauernd drängen sich die Leute an mir vorbei.
IMG_1825Unter den vielen Brasilianern gibt es neben mir nur noch wenige andere Touristen. Hanna aus Hamburg, eine Kolumbianerin und zwei Chilenen.
Wie versprochen gibt es Verpflegung an Bord. Zu dem Mahlzeiten läutet eine der Küchenfrauen mit einer Fahrradklingel zum Essen und alle springen aus den Hängematten. Frühstück 5:30, Mittagessen 10:30, Abendessen 16:30. Es gibt sogar einen kleinen Speiseraum, man muss jedoch anstehen und warten bis die Teller abgespült sind, sie reichen nur für einen Bruchteil der Passagiere.
IMG_1738Das Deck wird regelmäßig gefegt und geputzt, auch die engen Toiletten sind zwar stickig, aber doch einigermaßen sauber.

Am ersten Tag legen wir mehrfach an, die Händler strömen auf das Schiff und bieten diverse Snacks, Mahlzeiten, Hüte, Decken, Plüschtiere sowie Schmuck an.

SAM_9142Die kleinen Jungs spielen Fangen zwischen den Hängematten und die Babies werden in den Schlaf geschaukelt.
Nach dem Mittagessen scheint das gesamte Deck Mittagsschlaf zu halten. Die feuchte Hitze lähmt. Plötzlich geht ein Ruck durchs Boot. Mann über Bord! Das Schiff wird langsamer und wendet. Das Beiboot wird herabgelassen. In der Ferne sehe ich jemanden schwimmen. Irgendetwas stimmt jedoch mit dem Beiboot nicht, es lässt sich nicht losmachen. Mittlerweile haben wir den unverletzten Schwimmer erreicht und ihm wird ins Boot geholfen. Er gehört zur Besatzung und hatte an der Halterung des Beibootes gearbeitet. Dabei löste sich seine Sicherung, er fiel erst vom Oberdeck auf das Beiboot und danach ins Wasser.

Am nächsten Morgen dösen alle vor sich hin. Bei dem zeitigen Frühstück zieht sich der Morgen wie Kaugummi. Auf einmal gibt es einen Knall und dicker Rauch breitet sich von der Mitte des Decks aus. Das Ende eines Kabels brennt und SAM_9243fällt von der Decke. Die Leute springen auf, jemand löscht die kleine Flamme, die die Strippen einer Hängematte angesenkt hat. Wenige Minuten später ist alles wieder wie gehabt.
Von den kleinen Aufregungen abgesehen ist die Fahrt sehr entspannt. Das vorbeiziehende Ufer beobachten, Eisessen oder Kartenspielen auf dem Oberdeck, den Sonnenuntergang genießen und danach in den wunderschönen Sternenhimmel schauen. Die möglichen Aktivitäten an Bord sind sehr beschränkt, aber es ist auch spannend die Mitreisenden zu beobachten.

Am letzten Morgen machen wir Fotos mit den Kindern. Als ich ihnen meine Kamera in die Hand gebe, können sie gar nicht mehr genug davon bekommen.
Da erscheint Manaus am Horizont und diese äußerst interessante Überfahrt geht zu Ende…

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