Schon wieder Calama

Schon auf dem Weg nach San Pedro ärgerte ich mich, dass ich nur mit Halt in Calama dorthin fahren konnte. Als ich nach 23 Stunden Busfahrt dort ankam, musste ich feststellen dass die letzten Busse der meisten Busgesellschaften gerade weg waren. Gerade hier liegen die Schalter auch nicht schön übersichtlich nebeneinender am Bus Terminal. Ich folgte den Hinweisen und lief ein paar Blocks zu einem anderen Anbieter nur um festzustellen dass auch deren letzter Bus schon weg ist. Zumindest gab es noch einen letzten Bus, der in 3 Stunden abfahren sollte. So lernte ich Cécile & Marion aus Frankreich kennen, denen es genauso ging. Wir suchten uns ein gemütliches Restaurant, sahen die Simpsons auf Spanisch und erholten uns von der langen Busfahrt.

Der Weg nach Iquique führte ebenfalls zwangsläufig über Calama. Die Umsteigezeit war knapp, aber es ging zügig ohne Probleme weiter.

Ich hatte gehofft von Iquique einen Weg nach Uyuni in Bolivien zu finden. Den gibt es zwar, er ist aber viel umständlicher und macht bei meinen Plänen wenig Sinn. Ich buchte also nach den schönen Tagen in Iquique die Rückfahrt nach San Pedro, diesmal über Nacht, wieder mit Umsteigen in Calama. Leider waren wir schon so früh dort dass uns noch 90 Minuten bis zum ersten Bus um 7:00 blieben. Ich machte es mir mit Julia & Ella aus Kanada, die ich aus dem Hostel kannte auf einer Bank gemütlich. 
Die Frau vom Ticketschalter hatte uns direkt an den Bus verwiesen. Einige Zeit später kam ein Mann auf uns zu und führte Ella und mich wieder zu den Schaltern um die Tickets zu holen. Ein wenig seltsam war das schon, aber so übermüdet im Halbschlaf folgten wir ihm wie Schafe. Julia blieb umringt von unserem Gepäck zurück.
Der Herr führte uns ein paar Stufen hinauf, ließ uns dann aber verdutzt stehen. Da rief Julia hinter uns her, dass jemand einen Rucksack klauen wollte. Sie wurde von der Seite angesprochen. Sie sagt selbst, sie sei paranoid und legte die Hand auf Ellas kleinen Rucksack, der auf ihrer anderen Seite stand, während sie mit dem Herren sprach. Sie sah sich um und ertappte einen zweiten Kerl, der sich an eben diesem Rucksack zu schaffen machen wollte. Er zuckte zusammen wie eine Katze und alle machten sie sich zügig aus dem Staub. Puh,  Glück gehabt. Ella hatte ihren Rucksack an der Bank befestigt.
Ein Hoch auf paranoide Kanadierinnen, die Trickdiebe besiegen!

In der Geisterstadt

IMG_7370Nicht weit von Iquique liegt die verlassene Stadt Humberstone. Hier wurde bis 1960 Salpeter gewonnen. Als es die Alternative einer künstlichen Herstellung gab, wurde die Salpetergrube stillgelegt und die Arbeiter umgesiedelt. Seit 2005 gehört Humberstone zum Weltkulturerbe. Die einsturzgefährdeten Häuser werden abgestützt, die Stadt wieder etwas hergerichtet und dem Tourismus geöffnet. So aufgeräumt bietet Humberstone nun einen Einblick in vergangene Zeiten. In der Schule stehen die Bänke ordentlich aufgereiht. Jungs und Mädchen drückten zwar gemeinsam die Schulbank, wurden aber in den Pausen strikt voneinander getrennt. Das Krankenhaus war seinerzeit hochmodern und wirkt nun mit seinen leeren verwinkelten Räumen wie ein Labyrinth. Ein kahler Tennisplatz liegt neben dem herrschaftlichen Verwaltungsgebäude. IMG_7499In Reihen stehen die unzähligen einfachen Wohnhäuser, einzelne Wände sind eingestürzt, Sonnenlicht strömt durch die undichten Dächer. In den Häusern herrscht eine seltsame Ruhe, eigentlich in der gesamten Stadt. Der alte Holzboden knarzt bei jedem Schritt, auch mal am anderen Ende des Zimmers. Nur ab und zu kreuzen andere Besucher unseren Weg. Im Theater leuchtet der rote Vorhang vor der hellgrünen Wand, sanftes Licht fällt auf die Sitzreihen. Das Hotel zeigt sich mit leeren Tanzsälen, aber glänzenden Holzböden. Vielleicht soll es in der Zukunft wieder Gäste empfangen. Das Schwimmbad wurde aus einem alten Schiffsrumpf gebaut, nicht ein Tropfen Wasser findet sich darin, aber der Sprungturm steht noch.

IMG_7429Vor dem Industriegebiet warnt ein Schild vor den möglichen Risiken. Fernhalten von einsturzgefährdeten Wänden -könnten das nicht alle sein?-, festes Schuhwerk, Kinder sollen an der Hand gehalten werden…

Teile der Kraftanlage stehen noch, die Elektrik ist bis auf einen einzelnen Hebel demontiert worden. Der Wind pfeift unheimlich durch das löchrige Wellblech. In einer Werkstatt stehen noch einige Maschinen zur Herstellung von Werkzeugen, in einer anderen Teile von Lokomotiven. Der große Schornstein wird von allen Seiten abgestützt. Ringsherum liegen große vor sich hinrostende Metallteile.

 

Nur Fliegen ist schöner

Eigentlich wollte ich nur nach Iquique um mir von dort aus die verlassene Stadt Humberstone anzusehen. Schon bei der Ankunft mochte ich die Stadt. Am Bahnhof teilte ich mir mit ein paar Jungs ein Taxi. Wir blieben schließlich alle im gleichen gemütlichen Hostel in Strandnähe und kochten in den nächsten Tagen gemeinsam in der großen Küche.
Die Stadt bietet ideale Voraussetzungen zum Paragliden, 365 Tage im Jahr. Das wollte ich schon immer ausprobieren!

wpid-11187354_10152983272618585_8067027794351781838_o.jpegWir fuhren auf 600 Meter Höhe und genossen mit weichen Knien die Aussicht über Iquique und das Meer. Ich sollte mit Patrizio fliegen, der schon 20 Jahre Erfahrung hat. Nach einer kurzen Einführung ging es auch schon los. Zum Glück mussten wir uns keinen Abhang hinabstürzen, sondern liefen ein paar Meter und hoben gemächlich ab. Und schon waren wir in der Luft. Das war ja ganz leicht! Etwas kühl und windig hier, aber ziemlich bequem und die Aussicht ist super. Nach einer Weile entspannte ich mich immer mehr, bis ich mich traute die Kamera herauszuholen. Lieber nicht fokussieren, nur abdrücken, sonst wird mir noch schlecht.
Etwa 30 Meter über der Straße, die sich den Berg heraufschlängelt, glitten wir dahin. Mit Blick auf die große Düne, die Stadt und das Meer.
Wir flogen über die Stadt hinweg, über den Hafen und winkten einigen Seelöwen und Surfern. Schließlich landeten wir ganz entspannt am Strand.wpid-11194623_10152983273748585_5978545371095675812_o.jpeg

Chilenische Küche

imageMein erster Schritt in die chilenischen Spezialitäten war ein Hot Dog Italiano. Belegt wird er mit Tomate, Avokado und Mayonnaise. Das klingt zunächst seltsam, schmeckt aber sehr lecker.

imagePastel de Choclo ist ein Brei, der aus geriebenem jungen Mais hergestellt wird und zusammen mit Fleisch, Huhn und Ei mit Zucker bestreut überbacken wird. Ich hab die Version nur mit Mais, eine Pasteleria de Choclo probiert.

Paila marina ist eine kräftige Muschelsuppe mit verschiedenen Muscheln. In Santiago auf dem Mercado Central kommen die Meeresfrüchte direkt von den Ständen auf den Teller.

imageSopaipillas sind Fladen aus frittiertem Kürbisbrot. Kein gesundes Essen, aber billig und daher beliebt bei Studenten.

Pisco sour ist der typisch chilenische Cocktail mit Pisco, Zitronensaft und etwas Zucker. Es gibt allerdings Streitereien ob die Chilenen oder die Peruaner den ersten Pisco erfunden haben.

IMG_6302Chile ist ein von Erdbeben geplagtes Land. Den gleichnahmigen Cocktail Terremoto habe ich in der urigen Taverne La Piojera probiert. Junger Wein, Grenadine oder Fernet mit Ananaseis. Mir hat einer gereicht, aber ich kann mir vorstellen dass nach mehreren davon die Erde wackelt.

imageMote con huesillo ist eine Art Eistee mit einem getrockneten Pfirsich und gekochtem Gereide. Schmeckt gut und macht satt.

imageIn Chile gibt es eine große Auswahl an Meeresfrüchten. Ich habe zum ersten Mal Austern gegessen. Sie sind wirklich ein wenig gewöhnungsbedürftig. Etwas Zitrone darauftraüfeln, wenn sie sich zusammenziehen sind sie frisch. Ein wenig mit der Gabel lösen und dann runter damit. image Seeigel sind eine Delikatesse, die man mag oder eben nicht. Die Konsistenz ist weich bis glibbschig. Ein paar wenige Stücke waren mir genug, der ganze Teller war einfach zuviel.

Die trockenste Wüste der Welt

Nach einer elendig langen Busfahrt landete ich in San Pedro de Atacama. Gleich um die Ecke liegt die Atacamawüste. Sie erstreckt sich über 1200 Kilometer und zählt zu den trockensten Gegenden der Welt. Die vielfältigen Landschaften bieten dennoch zahlreiche Ausflugsziele.
San Pedro ist eine niedliche Wüstenstadt, die vom Tourismus überrannt wird, aber sich dennoch einen gewissen Charme erhalten hat.

IMG_6820Das Valle de la Luna wurde nach seiner dem Mond ähnlichen Beschaffenheit benannt. Wir krochen durch die Salzhöhlen und wanderten um die größte Düne herum auf einen Aussichtspunkt. Die Salzablagerungen bedecken die Oberflächen wie Schnee. Die Salzkristalle glitzern in der Sonne, der Staub kitzelt in der Nase, die Sonne brennt, obwohl es schon später Nachmittag ist. Die Aussicht ist atemberaubend, in der Ferne liegen die schneebedeckten teilweise aktiven Vulkane.

IMG_7172Noch vor dem Morgengrauen ging es los zu den El Tatio Geysieren. Es war eisigkalt. Aus zahlreichen Geysieren erheben sich die Dunstschwaden und winden sich über den Boden. Manche spucken kontinuierlich dichte Dampfwolken aus, einige geben sich harmlos bis sie spritzend Wasser von sich geben, andere sind dezent sprudelnde Pfützen. Langsam und fast unbemerkt geht die Sonne auf. Mit Blick auf das GeysierfeldIMG_7194 gibt es ein leichtes Frühstück mit Kakao zum Aufwärmen. Die Höhe von 4500m macht sich allmählich bemerkbar. Das Hinhocken und Wiederaufstehen für ein Foto ist beschwerlich.
Auf dem Rückweg kreuzen Lamas unseren Weg und wir beobachten Flamimgos von der Straße aus.

IMG_7321Mein letzter Ausflug führte zur Laguna Escondida. Eine bizarre Umgebung. Dicke Salzkrusten mit verschiedenen Lagunen, die zum Baden einladen. Seltsam, es sieht aus wie Schnee, aber das Knischen beim Gehen fehlt. Ich laufe über die Salzgebilde und IMG_7328es kommt mir so vor als würde ich über einen großen Kuchen mit viel Zuckerguss laufen. Dann sieht es wieder eher wie Blumenkohl aus. Manchmal knirscht es doch wie Schnee.
In der letzten Lagune wird gebadet. Das Wasser ist kalt, aber erfrischend und die Sonne wärmt von oben. Entspanntes Floaten mit Aussicht. Der Salzgehalt entspricht dem des Toten Meeres, Untergehen ist unmöglich.

Die schönen Tage in San Pedro verbrachte ich mit Cécile & Marion aus Frankreich.IMG_7187

Couch in Valparaiso

Valparaiso ist eine Hafenstadt mit knapp 300.000 Einwohnern, deren zahlreiche bunte Häuser sich auf über 40 Hügel reihen.
Nachdem ich schon seit Jahren dort registriert bin, habe ich nun endlich Couchsurfing ausprobiert. Ich bin bei den Studenten Natalia und Nico untergekommen, die mich sehr herzlich aufnahmen. Am Morgen weckte mich eine der Katzen, die sich ins Zimmer und in mein Bett schlich. Ich machte eine geführte Stadttour und wollte mich zum Mittagessen mit den beiden treffen. Auf dem Esstisch lag ein Zettel für mich.

Wir warten mit dem Essen bei Nicos Eltern auf dich!

Dazu eine Wegbeschreibung. Ich machte mich auf die Suche und wurde ein paar Straßen weiter herzlichst zum sonntäglichen Familienessen empfangen. Nach IMG_6651Empanadas und Salat gab es das Hauptgericht mit Fleisch, Gemüse, Reis und Kartoffeln. Danach noch ein Blätterteigkuchen mit Dulce de leche. Dabei wurde ich von der gesamten Familie eifrig aber sehr freundlich ausgefragt. Die Situation hat mich sehr an den Schüleraustausch erinnert, nur hab ich diesmal mehr verstanden. Für unterwegs bekam ich noch eine Flasche chilenischen Wein geschenkt. Danach führten Nico und Natalia mich durch die nahegelegenen Hügel von Valparaiso mit den fantasievoll bemalten Häuschen.IMG_6689 Aus einigen Häusern drang lautstark Musik, an einigen Ecken wurde Gitarre oder Trompete gespielt. Ein wunderschöner Sonntagnachmittag in Valparaiso! Später am Abend liefen wir die Promenade entlang und ich war ganz überrascht von den Seelöwen, die sich auf einer Betoninsel nah am Strand tummeln und gegenseitig ins Wasser schupsten.
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Zu Besuch bei der Familie

Das Reisen liegt mir im Blut. Auch schon in den vorhergehenden Generationen meiner Familie zeigte sich die Lust auf ferne Länder. Ein Cousin meines Opas wollte Anfang der 50er eigentlich zu anderen Verwandten nach Mexiko auswandern. Da er zunächst nicht dort einreisen konnte, wollte er die Wartezeit in Chile überbrücken. Er gründete ein Unternehmen und eine Familie. Ich bin sehr dankbar dass ich ihn mit seinen 95 Jahren noch so fit antraf und ihn kennenlernen durfte. Beim ersten Abendessen klärten wir wie wir eigentlich verwandt sind.
Es war spannend einen anderen Einblick in die Verwandtschaftsbeziehungen zu erhalten. Das Stöbern in alten Fotos und der Vergangenheit hat meine Zeit in Santiago zu etwas ganz Besonderem gemacht.
Vielen lieben Dank für die schöne Zeit!

Santiago de Chile

Ich stürze mich mitten ins Getümmel. Quetsche mich in der Rushhour in die Metro und stelle mich in die ordentliche Schlange an der Bushaltestelle.

imageBellavista ist das Ausgehviertel von Santiago. Es reihen sich die verschiedensten Restaurants, Bars und Clubs aneinander. Tagsüber faszinieren die zahlreichen Graffiti. Vor dem Haus von Pablo Neruda La Chascona, das heute ein Museum ist, üben Studenten eine Choreographie und auf den Stufen der Rechtsfakultät probt eine Band. Bei einem Hot Dog Italiano an einem der vielen Straßenstände kann man die vorbeiziehenden Menschenmassen beobachten.

IMG_6178Auf dem großen Obst- und Gemüsemarkt La Vega ist viel los. Es duftet herrlich nach frischem Obst und Gemüse. Scharfe Sauce wird aus Fässern geschöpft, Nüsse und Trockenobst oder auch Haushaltsartikel werden angeboten. An jeder Ecke schwatzte ich kurz mit den Verkäufern, alle wollten wissen wo ich herkomme und einige mit aufs Foto. In den grossen Hallen verläuft man sich leicht, aber was macht das schon wenn es soviel zu sehen gibt. Gegenüber liegt La Vega chica mit vielen einfachen aber guten Garküchen. Hier essen die Händler ihr typisch chilenisches Mittagessen.

imageAuf dem Cerro San christóbal wacht die Marienstatue über die Stadt wie Christus über Rio, nur etwas kleiner. Die Standseilbahn führt am Zoo vorbei nach oben. Dort gibt es zahlreiche Wanderwege und von Radfahrern bevölkerte Straßen über die Hügel mit einem tollen Ausblick über die Stadt mit dem grauen Smogschleier. Mit Blick auf das höchste Gebäude Südamerikas den Gran Torre de Santiago, mit 300m das höchste Gebäude Südamerikas, kann man hier endlich einmal richtig durchatmen.

Kurios sind die Cafés con Pierna, Kaffee mit Beinen. Das sind Männercafés mit nur spärlich bekleideten Bedienungen, damit sich die armen Geschaftsmänner bei der schönen Aussicht entspannen können.

Durch die Anden nach Chile

imageVon Mendoza ging es mit dem Bus durch die Anden nach Santiago de Chile. Die Aussicht war großartig. Die kargen Sträucher, die rauen Hügel und in der Ferne die schneebedeckten Gipfel. Vorbei am Aconcagua, mit 6962m der höchste Berg Sudamerikas.

Neben der Straße folgte uns eine alte Bahnstrecke, die teilweise überwuchert, verschüttet, mit fehlenden oder verstreuten Gleisen nicht mehr befahrbar ist.
An der Grenze warteten wir in der Sonne bis unser gesamtes Gepäck unter die Lupe genommen wurde. Danach konnte ich mich endlich entspannen, da ich sie selbstgemachte Marmlade behalten durfte.
Hinter der Grenze führten uns verrückte Serpentinen bergab weiter nach Santiago de Chile.