Direkt nach meiner Ankunft in Puerto Ayora, noch bevor ich mir ein Zimmer suchte, klapperte ich die zahlreichen Reisebüros ab. Von vielen Reisenden hatte ich gehört, es sei sehr viel günstiger vor Ort eine Kreuzfahrt zu organisieren. Das Angebot war groß und verwirrend, es gibt die verschiedensten Routen und Boote.
Ich entschied mich für eine Route um die Isla Isabela, die von Allem etwas bieten sollte. In ein paar Tagen sollte es von der Isla San Cristóbal aus auf der luxeriösen Yacht Eden losgehen.
Da die anderen Passagiere mit unserem Guide David vom Flughafen kommen sollten, war verabredet, dass ich vom Pier abgeholt werde. Da sich das Beiboot nicht blicken ließ, bot sich ein anderes Boot als Taxi an. Die erste Begrüßung an
Bord viel etwas frostig aus, da die Crew mich erst später erwartet hatte. Ich bekam eine hübsche Doppelkabine mit Bad für mich allein. Da ich die Erste war, konnte ich noch einen Plausch mit dem Kapitän halten und mit der Crew Fussball gucken. Weil ich wohl so hungrig aussah, wurde ich mit Oreokeksen und einem Glas Milch versorgt. An diesen Service kann ich mich gewöhnen!
Zum Mittagessen lernte ich meine Mitreisenden kennen und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Für die ersten Tage bestand unsere Gruppe aus Victor und Susan aus Ohio, Jane und Lisa aus Kanada, Sonny und Tochter Sarah aus Atlanta, Angela und Chris aus Neuseeland, Paul aus London und mir.
Schon beim ersten Landgang auf der Isla Lobos, brach unser Guide David die Regeln des Nationalparks, die Tiere nicht zu stören oder ihnen zu nahe zu kommen, und vertrieb einen stattlichen Seelöwenbullen, der sich auf dem Anleger breitmachte. Ein Blaufußtölpel posierte geduldig auf einem Stein für uns. Die leuchtend hellblauen Füße sehen aus, als hätte sie jemand angemalt. Als wir die Insel verlassen wollten, hatte sich der Bulle wieder auf dem Steg niedergelassen.
Während der Fahrt begleitete uns regelmäßig eine Gruppe Fregattvögel.
Die Männchen haben einen leuchtend roten Kehlsack, den sie aufblasen um die Weibchen zu beeindrucken.
Am nächsten Morgen gab es Seelöwen schon zum Frühstück, also vor dem Fenster auf der Isla Santa Fe. Ein wunderbarer Start in den Tag! Am Strand beobachteten wir die spielenden jungen Seelöwen und die trägen älteren.
Danach fuhren wir zum Schnorcheln zur Isla Plaza Sur. Dort begleitete uns eine ganze Gruppe neugieriger Seelöwen unter Wasser und schwamm neugierig um uns herum. Ein riesiger Bulle tauchte unter mir ab und gab ein tiefes unheimliches Brummen von sich. Auf der Insel beobachteten wir die dicken Landleguane.
Den dritten Tag verbrachten wir in Puerto Ayora auf Santa Cruz und unsere Gruppe erweiterte sich um eine vierköpfige Familie aus Dänemark. Den ganzen Tag über an Land hatte ich das Gefühl zu schwanken.

Galápagosscharben
Auf der Isla Isabela, der größten der Inseln, machten wir in den nächsten Tagen mehrmals Halt zum Schnorcheln und sahen uns die Insel an. Hier leben die Galápagospinguine, die am weitesten nördlich lebenden Pinguine der Welt. Auch beim Schnorcheln sauste einer der flinken Burschen an mir vorbei. Ein Ausflug zum Punto moreno führte über ein Lavafeld. Auf der Insel gibt es aktive Vulkane, der größte war zuletzt vor drei Wochen ausgebrochen. In einer Lagune sichteten wir Flamingos. Ich beobachtete eine Galápagosscharbe, einen
nichtflugfähigen Vogel, beim Tauchen auf der Suche nach Nahrung.
In der Elisabeth Bay fuhren wir mit dem Beiboot in den Mangrovenwald und sichteten eine Gruppe von gefleckten und goldenen Rochen, die nahe der Wasseroberfläche an uns vorbeischwamm. Wenn sie ihre Flossen aus dem Wasser strecken, scheint es, als würden sie winken. David unser Guide war ganz aus dem Häuschen, da auch er hier noch nie so viele Rochen auf einmal gesehen hatte. Ab un zu reckte eine Schildkröte den Kopf aus dem Wasser um Luft zu holen und tauchte dann wieder ab.
Unterwegs konnten wir von der Yacht aus einige Wale beobachten. Die gesamte
Besatzung hielt gespannt mit uns Ausschau. Zumindest ein paar von ihnen machten sich einen Spaß daraus immer wieder „Dort!!!“ zu rufen. Einige Rochen sahen wir auch, wenn sie ihre silberglänzenden Flossen aus dem Wasser streckten.
Meistens navigierten wir nachts oder nach dem Essen. Ab und an schaukelte es schon recht heftig. Wenn der Seegang besonders stark war, verschwanden wir Landratten gleich nach dem Abendessen in den Kabinen. Insgesamt war es auszuhalten, aber es war eine weise Entscheidung ein größeres Boot zu wählen.
Auf der Isla Santiago konnten wir einige Galápagos-Seebären (auch Pelzrobbe) beobachten. Auf den ersten Blick sehen sie kaum anders aus als die Seelöwen, haben aber ein längeres Fell, kürzere Schnauzen und sind insgesamt kleiner. Sie sind niedlich, aber ihr Gesicht erinnert mich ein wenig an eine Ratte. Die Seelöwen finde ich hübscher und ich wurde nicht müde sie immer wieder zu fotografieren.
Am letzten Morgen landeten wir gleich nach dem Sonnenaufgang auf der Isla Seymour. Nur die Hälfte der Gruppe war aus dem Bett gekommen, aber es war einer der schönsten Landgänge. Die ganze Insel war bevölkert mit Blaufußtölpeln, die beim Balzen interessante Pfeiftöne von sich gaben, und Fregattvögeln in rauen Mengen und allen Altersgruppen.
Natürlich wohnen auch hier einige Seelöwen. Wir schauten zu wie ein schon recht großes Junges bei der Mutter trank und genüßlich schmatzte. Oftmals ist der Nachwuchs zu faul um sich selbst Nahrung zu suchen, auch wenn er schon groß genug ist und schon längst der nächste Nachkomme da ist. Als das Muttertier genug hatte, wackelte es davon und das Jungtier lief ihr laut blökend hinterher.
Während wir auf das Beiboot warteten, beobachteten wir ein Paar Blaufußtölpel bei einem ausgewachsenen ehelichen Streit. Sie verschönerte das Nest und er stand nur faul rum. Da hat sie ihm die Meinung gegeigt, ließ in stehen und ging mit einer Freundin aus.
Ein herrlicher Morgen!
Die Woche ging viel zu schnell vorbei und es war komisch alle am Flughafen zu verabschieden. Ich blieb noch eine Nacht in Puerto Ayora. Den gesamten Tag lang schwankte die Erde und da war kein Alkohol im Spiel. Schon nach wenigen Stunden kam mir die gesamte letzte Woche wie ein wundervoller Traum vor. Ich kann kaum glauben, dass ich das alles wirklich erlebt und gesehen habe.
Dies ist nur eine Zusammenfassung der Höhepunkte dieses Abenteuers. Es gab noch so viel mehr zu sehen, die vielen fantastischen Eindrücke lassen sich nicht annähernd in Worte fassen. Schon allein die vielfältige Pflanzenwelt der Galápagosinseln ist beeindruckend. Es gibt da einen Baum, dessen Beeren als Haargel oder Klebstoff verwendet werden.
Mit großen Erwartungen im Gepäck reiste ich zu den Galápagosinseln und sie wurden weit übertroffen. Falls ihr überlegt eine Reise in dieses Wunderland zu unternehmen, dann zögert nicht länger! Es lohnt sich!
