Unter Feinschmeckern ist Lima bekannt für seine hervorragende Küche. Hier stehen drei der Top 50 Restaurants der Welt. Die kleinen peruanischen Jungs wollen nicht mehr Fussballer werden, sondern Koch.
Mit John, den ich schon in Bolivien kennen gelernt hatte, fasste ich in Cusco den Plan die gastronomischen Highlights in Lima zu probieren. In zwei Wochen wollten wir uns in Lima treffen und bekamen nur noch eine Reservierung für eines der Top-Restaurants.
Wir gingen zum Mittagessen ins Maido, das peruanisch-japanische Fusionsküche serviert.
Wir entschieden uns für das 11-Gänge-Tasting-Menü. Dazu bestellte ich einen exotischen Saft aus Camu Camu, der mich sehr an den Krümmeltee aus Kindertagen erinnert hat.
Schon die Präsentation war sehr originell. Serviert wurde auf Holz, Porzellan, Stein, Metall, im Glas und in der Pappschachtel. Gegessen haben wir meist mit dem Löffel.
Der erste Gang war der überraschenste. Ich befürchtete schon das Schlimmste, vielleicht ist mein Geschmack doch zu gewöhnlich für diese außergewöhnlichen Kreationen. Aber Ceviche de Lapas war ein wunderbarer Einstieg in dieses Schlemmererlebnis. Geeiste Gewürzsauce, die mit scharfem Nachgeschmack auf der Zunge zergeht, mit Avokado und Muscheln.
Eine kreative Interpretation des peruanischen Klassikers, Rocoto relleno. Eine knusprige Hülle aus roter Paprika mit saftiger Hackfleischfüllung auf einem Bett aus Kartoffelbrei.
Eine niedliche Überraschung war der kleine Hamburger Pan con Pescado. Serviert wurde er im hübschen Pappkarton mit gedämpftem Brot und Fisch.
Estofado Nikkei wurde auf einem schweren Stein serviert. Das Filet wurde über ganze 50 Stunden langsam gegart und war unglaublich zart. Es zerfiel regelrecht auf der Zunge und schmeckte herrlich mit der kräftigen Nitsuka-Sauce und dem Reis.
Als Dessert gab es Ceviche. Mandarineneisstreusel mit Limonensauce, zuckersüße Cherimoya, knusprige Süßkartoffelflakes und würzige Macarrones. Ein traumhafter Abschluß für ein unglaubliches Menü.
Der Chefkoch Mitsuharu Tsumura kam anschließend an unseren Tisch und wir konnten ein wenig mit ihm plaudern.
Noch Stunden später fühlte ich mich wie im Himmel und schwelgte in Erinnerungen an die wunderbaren Köstlichkeiten.
Abends war ich mit zwei Peruanern unterwegs. Bei all den Möglichkeiten in der Stadt führten sie mich ausgerechnet zu dieser Fastfoodkette mit dem goldenen M. Zu ihrer Verteidigung muß ich sagen, dass es ihnen schrecklich peinlich war und es in der näheren Umgebung nur noch andere Fastfood-Restaurants gab, die gnadenlos überteuert waren. Von Weltklasse zu Mäckes, es muß eben immer einen Ausgleich geben.
Eigentlich war ich mit dem Geschmackserlebnis im Maido vollends zufrieden und glücklich. John wollte unbedingt versuchen doch einen Platz im Central, der Nummer 4 der Welt, zu bekommen. Ich ließ mich überzeugen, am nächsten Tag gingen wir zum unscheinbaren Eingang des Restaurants und hofften auf eine Stornierung. Wir hatten tatsächlich Glück und konnten nach einem Drink an der Bar an einem Tisch mit Blick auf den Weinkeller Platz nehmen.
Wir begaben uns auf eine kulinarische Reise durch ganz Peru in 11 Gängen.
Zu jedem Gang gibt die entsprechende Höhenangabe, -20m bis 3900m.
Von einem Großteil der Zutaten, die unter Anderem aus den Tiefen des Amazonas kommen, habe ich noch nie gehört. Die Kompositionen waren kompliziert und detailverliebt angerichtet.
High Altitude Rainforest 860m, vielleicht der schönste Happen, den ich je gegessen habe. In das Blatt eingerollt versteckt sich ein Stück frische Yakon-Wurzel (schmeckt ein wenig nach Apfel), dekoriert mit zwei Tropfen geräucherter Entencreme, Creme aus Sapote (eine Frucht, die ein wenig wie Kürbis schmeckt) und Kapuzinerkresse.
Harvest and Collection 0m, leicht angeschmorte bißfeste Jakobsmuscheln mit Kohl und Granadilla-Sauce, bestreut mit Rote-Beete-Pulver.
Low Andes Mountain 1800m, zartes Kalbfleisch, das über 24 Stunden gegart wurde, mit drei Sorten Quinoa, getrockneter Quinoamilch und Quinoamilch-Sauce.
Green Highlands 1050m, ein Traum von einem Dessert. Lukumachips mit einem herrlichen Schokoladeneis und Raspeln von eßbarem Ton mit weißer Schokolade (schmeckt ein wenig wie grüner Tee).
Valley between the Andes 2190m, hauchdünne Schokoladenblättchen mit verschiedenen Gewürzen und Geleekugeln mit Sacha Inchi, einer Amazonasfrucht.
Wir ergriffen die Chance den Chefkoch Virgilio Martínez Véliz persönlich kennen zu lernen. Die Faszination für sein Land und seine vielfältigen Lebensmittel war bei jedem Wort spürbar. Dreimal im Monat unternimmt er oder sein Team Reisen durch das Land um neue Zutaten oder Inspirationen zu sammeln.
Zwei unglaubliche kulinarische Erlebnisse, die sich sehr voneinander unterscheiden. Jeder Bissen war etwas Besonderes!