Abschiede in Port Vila

Die letzten Tage in Port Vila verbrachte ich bei Rebecca. Ich lernte ihre Söhne Arti, Joash sowie deren Cousin Steven kennen. Der 2. Advent und gleichzeitig der Nikolaus standen vor der Tür. Bei diesem tropischen Wetter kommt absolut keine weihnachtliche Stimmung auf. Da helfen auch die vereinzelten blinkenden Lichterketten nicht. Hier wurde mir erstmals bewusst, dass wir in Deutschland auch besonders die Vorweihnachtszeit zelebrieren. Hier gibt es keinen Adventskranz, keinen Adventskalender und kein Keksebacken. Bei diesen Temperaturen kommt man auch nicht auf die Idee sich an den Ofen zu stellen. Dafür gibt es Sommerferien und Familienausflüge an den Strand. Ich spielte für die Jungs den Nikolaus. Es gab zwar keine Weihnachtsschokolade, aber geröstete Erdnüsse. 2015-12-05_21.28.40.jpgZusammen mit den FlipFlops, Slippern und Crocs ergab sich eine exotische Version von Nikolausüberaschung. Natürlich waren die Jungs begeistert. Wenn es Geschenke gibt, ist der Hintergrund ja eigentlich auch nebensächlich.

Wir besuchten das Hideaway Island Resort. Hier gibt es das weltweit einzige Unterwasser-Postamt. Ein paar Meter vor dem Strand liegt unter Wasser eine kleine Hütte, die gelegentlich auch mit einem tauchenden Postmann besetzt ist. Um die speziellen Unterwasserpostkarten einzuwerfen, muß man etwa 2 Meter tief tauchen, um den Briefkasten zu erreichen.
Den Nachmittag verbrachten wir bei der Oma, die wegen des Nikolauses mindestens ebenso aufgeregt war, wie die Kinder.

imageIch traf Dr. Leben und seine Frau zum 2. Advent in einer Eisdiele. Bei herrlichem italienischen Eis verabschiedeten wir uns voneinander.

Vielen lieben Dank für den herzlichen Empfang am anderen Ende der Welt!

An meinem letzten Vormittag schlenderte ich mit Rebecca, Arti und Joash über ein paar Märkte und wir probierten Schokolade von verschiedenen Inseln Vanuatus.
Rebecca und ihre Jungs brachten mich zum Flughafen. Ich war ganz gerührt, als mir die beiden zum Abschied je eine Muschelkette überreichten.

Wehmütig, mit einzigartigen Erinnerungen im Gepäck, verließ ich diese wunderschönen Inseln. Neben all den Abenteuern, die ich bisher erleben durfte, sticht Vanuatu besonders hervor.

Herzlichen Dank an alle, die meine Zeit in Vanuatu zu etwas ganz besonderem gemacht haben!
Thank you very much!
Tankyu tumas!
Merci beaucoup!

Keine Angst vor großen Messern

In der Stadt rutschte mir kurzzeitig das Herz in die Hose als eine Gruppe Halbwüchsiger auf mich zukam und einer ein Jagdmesser in den Händen hielt. Sie liefen an mir vorbei…
Immer wieder begegneten mir unterwegs Männer und Frauen mit Macheten. Man braucht eben ein großes Messer um zum Beispiel Kokosnüsse zu öffnen.
Beim Kochen bat eine der Frauen um ein kleines Messer.SAM_9589 Sie verlangte nach einem für meine Verhältnisse großen Küchenmesser.
Besonders gewöhnungsbedürftig waren für mich die kleinen Kinder von etwa 18 Monaten, die mit den Messern spielen. Da wird das Messer schonmal in Richtung des Gesichts der großen Schwester geschwungen, die gestänkert hat oder in unmittelbarer Nähe von Omas Fingern auf der Erde herumgehackt. Außer mir hat niemand auch nur mit einer Wimper gezuckt. Es ist auch nichts passiert, zumindest nicht in meiner Anwesenheit. Andererseits ist die Geschicklichkeit, die die Kinder an den Tag legen beeindruckend.

Mittendrin auf Mota Lava

Meine nächste Station war Mota Lava, eine der nördlichsten Inseln. Hier fand der International Day of Disability statt. Rebecca kam erst einen Tag später an. Doch schon am Flughafen in Santo lernte ich Sam und Knox kennen. Sie arbeiten fur das Ministry of Justice am disability desk. Wir flogen zunächst nach Vanua Lava. Eigentlich sollten die Feierlichkeiten hier stattfinden, aber in letzter Minute wurde die Insel gewechselt. So wurde das gesamte geplante Programm für die Woche über den Haufen geworfen. Nun mussten wir mit einer Fähre nach Mota Lava übersetzen. Ich hielt es für einen Witz, als Sam auf das winzige Motorboot deutete. Leider war es sein Ernst.

IMG_5272Nur der Kapitän trug eine Schwimmweste, es sei seine eigene und mehr gibt es leider nicht. Sollte mir das Sorgen machen? Obwohl die See verhältnismäßig ruhig war, gestaltete sich die Überfahrt sehr unbequem. Diese kleine Nußschale ist eben nicht für den offenen Ozean gedacht. Ich war unglaublich erleichtert, als wir nach über einer Stunde die Insel Mota Lava erreichten und ich wieder Sand unter den Füßen hatte.

IMG_5099Wir zogen in die einfachen Gateway Bungalows in Strandnähe ein. Ein hübsches kleines Inselparadies. Auch hier gab es nicht immer fließend Wasser. Franklin und seine Frau Marlene, die Managerin, kümmerten sich hingebungsvoll um mich. Meine Wäsche wusch ich im Island style mit Wasser, dass ich mit einem Metalkrug aus dem Brunnen schöpfte. Morgens startete ich in den Tag mit Strandspaziergängen oder ein wenig Yoga am Strand. Allmählich bekomme ich ein bisschen Übung als inoffizielle Yogalehrerin. IMG_5092 (2)

Zum Frühstück gab es frisches Brot mit selbstgemachtem Island Jam. Die Bananenmarmelade erinnerte mich arg an zu Hause und die herrliche goldorange Kokosmarmelade war ein Traum. Die Mahlzeiten waren immer sehr üppig. Wie auch auf Santo gab es öfter leckeren Island Cabage, einen Kohl, den es nur in Vanuatu geben soll. Hier aus der Gegend kommen die schmackhaften Kokosnusskrabben. Wie der Name vermuten läßt, ernähren sie sich ausschließlich von Kokosnüssen. Mit ihren Scheren können sie die Nüsse öffnen. Ein paar Mal kam ich in den Genuss dieser Spezialität, der allerdings mit viel Arbeit beim Puhlen verbunden ist.

Ich spazierte allein durch das weitläufige Dorf und wurde ich von allen Inselbewohnern freundlich und interessiert begrüßt. Als ich nach einem kleinen Laden fragte, wiesen die Frauen die Kinder an, mich dorthin zuführen. Nun zeigte mir gleich eine ganze Gruppe Kinder den Weg. Beim Muschelnsammeln lernte ich zwei Jungen kennen, die für mich mitsammelten. Im Dorf schlossen sich uns noch ein paar Frauen und Kinder an, die mich ein Stück begleiteten.
IMG_5169Nur ein paar Meter entfernt liegt die Insel Ra. Mit dem vielleicht günstigsten (Wasser-)Taxi weltweit gelangten wir trockenen Fußes für umgerechnet 10 Cent auf die Insel. Man kann aber auch bei Ebbe durchs Wasser laufen. So ziemlich alle Bewohner der kleinen Insel nahmen an der fishing ceremony teil. An einem Seil, das bis zu 600 Meter lang sein kann, wurden Palmwedel befestigt. Alle paar Meter wurde es von jemandem festgehalten. IMG_5111Die etwa 100 Menschen im Wasser bildeten vom Strand aus einen Halbkreis und warteten auf Ebbe. Die Kinder erlegten am Strand Blätter mit dem Speer. Im Wasser spießten sie Seegurken auf. Die Sonne brannte unerbittlich. Schon im Schatten wurde mir und Rebecca zu heiß, hungrig waren wir auch. Da die Ebbe noch einige Stunden auf sich warten lassen sollte, setzten wir noch einmal über um zu Mittag zu essen. Als wir zurückkehrten, war das Fischefangen leider bereits in vollem Gange. Da es viel zu heiß war, wurde schon eher begonnen. Während die Gruppe im Wasser mit den Pamwedeln auf das Wasser schlug, zogen sie den Kreis enger und schlossen ihn. Es gab ein großes Durcheinander und viele Menschen wateten durchs Wasser und versuchten, bewaffnet mit Speer oder Pfeil und Bogen, Fische zu fangen.IMG_5145 (2)
Am Nachmittag befragte Rebecca die Frauen für Unicef zu ihren Lebensumständen. Dabei spielte ich die Fotografin. Während wir uns mit den Frauen unterhielten, ertönte eine Glocke. Das ist eigentlich ein Zeichen sich zu versammeln. Da rannten zwei raschelnde Gestalten, gekleidet in trockene Gräser mit Hut, über den Platz. Ich lief auf sie zu um Fotos zu machen, als Rebecca mir zurief „Marion, they can actually kill you!“ WAS??? Ich wich verdutzt zurück. Die Gespenster rannten über den Platz an den Strand und kurz darauf zurück. Es stellte sich als ein Übersetzungsfehler heraus.IMG_5217
„Killem yu“ auf Bislama bedeutet auch soetwas wie schlagen (mit einem Stock). Rebecca erklärte mir den Hintergrund dieser Aktion. Wenn eine Frau ein Kind bekommt, zieht sie sich für die ersten Tage in eine Hütte zurück. Wenn ein Mann sie stört, dann darf die Frau ihn schlagen. Etwa ein Jahr später kommen die Teufel und schlagen diese Frau mit einem Stock, durch die Verkleidung kann sie aber nicht erkennen wer es ist.

IMG_5360Beim kleinen Malwettbewerb sollten die Kinder zeichnen was ihnen zum Thema el niño einfällt.

Mit Rebecca besuchte ich ein Custom Village. Am Eingang des Dorfes empfingen uns die Frauen mit Blumengirlanden und es gab einen Willkommenstanz. Die Frauen trugen Graskleider, die traditionell an Festtagen angelegt werden. Normalerweise kleiden sie sich in aus Pandanuss gewebte Matten.
IMG_5388Uns wurde demonstriert wie Muschelgeld hergestellt wird. Dafür werden geschnittene Muschelscheiben mit Asche geschliffen. Die Herstellung ist sehr zeitintensiv und wird von erfahrenen Frauen durchgeführt. Damit wird der Brautpreis bezahlt und der Reichtum des Chiefs demonstriert.
Es gab traditionell hergestelltes Laplap. Das Maniok wird mit Muscheln geschabt und mit Kokosraspeln in Bananenblättern gegart. Wie die Pandanusmatten gewebt werden, wusste ich ja schon.

Als es um das Chiefhaus mit den 12 Feuerstellen ging und wie ein Anwärter zum neuen Stammesoberhaupt wird, waren die Erklärungen recht unverständlich. Es dauerte eine Weile bis ich die Prozeduren einigermaßen verstanden hatte.
Der aktuelle Chief wählt aus der eigenen Familie einen passenden Anwärter. Dieser muss sich von einer Feuerstelle zur anderen arbeiten. Um weiterzurücken, muß er ein Fest geben. Um die Kosten zu decken, muß er über genügend Lebensmittel und Schweine verfügen. Da dieser Anwärter sich wärend dieses Prozesses nicht weit von diesem Haus entfernen darf, muss eigentlich seine IMG_5413 (2)Familie für ihn arbeiten und die Gärten bestellen. Der zukünftige Chief wird derweil von den weisen Männern auf dieses Amt vorbereitet. Das Ganze kann sich über ein Jahr hinziehen.
Hat der neue Chief alle Stationen durchlaufen, verlässt er die Hütte durch den Seiteneingang und es gibt ein großes Fest. Zu diesem besonderen Anlass wird der magic dance aufgeführt, den wir am Strand beobachten konnten. Die Tänzer werden von einem Anleiter begleitet, der darauf achtet, dass alles korrekt durchgeführt wird. Die Gruppe wird von zwei Teufeln umkreist, die mir schon am Vortag begegnet waren, damit niemand den Ablauf stört.

IMG_5159Menschen mit Behinderung sind in Vanuatu Teil der Gesellschaft und nehmen im Rahmen ihrer Fähigkeiten am Dorfleben teil. Die Förderung ist allerdings kaum existent. Da eine medizinische Versorgung auf den entlegenen Inseln schwer zu erreichen ist, wird zum Beispiel eine Infektion oder „Beule“ erst sehr spät oder gar keinem Mediziner vorgestellt. Sam und Knox wollten die Einwohner der Insel mit Behinderungen erfassen. Sie statteten ihnen Besuche ab und verteilten Rollstühle, die übrigens Herr und Frau Leben organisiert hatten. Ronda, zum Beispiel, hatte vor etwa einem Jahr einen Schlaganfall. Sie hat sich unglaublich über den Rollstuhl gefreut, da sie nun wieder das Haus verlassen kann.

IMG_5288Beim Workshop zum Thema Behinderungen war ich auch für die Fotos zuständig. Neben Vorträgen gab es auch „Das Spiel des Lebens“ um zu veranschaulichen wie in der Gemeinschaft mit Behinderungen umgegangen wird.

IMG_5437Am International Disability Day war einiges los. Der Tag begann mit einer kleinen Parade. Die Frauen sangen ein Willkommenslied. IMG_5479
Es gab viele Programmpunkte mit einigen längeren Reden. Die Bamboo-Band gefiel mir besonders gut. Die eigentlichen Ehrengäste saßen die meiste Zeit auf der Bühne, wurden aber eher wenig miteinbezogen. Ich machte Fotos und war lange mit Kinderschminken beschäftigt. Die Nachfrage war riesig und ich kam kaum hinterher. In der Sonne wurden die Stifte immer weicher. Blumen waren besonders gefragt, aber auch Spinnen und Schmetterlinge malte ich auf die Kindergesichter.IMG_5480
Für die Kinder gab es einige Spiele. Sie begeisterten sich besonders für die Seifenblasen. Mit der selbstgemachten Knete konnten sie allerdings wenig anfangen. Zum Ende hin wurden feierlich alle Helfer bezahlt und Geschenke an die Organisatoren überreicht. Doch insgeheim waren die Organisatoren entäuscht, da die Dorfgemeinschaft selbst kaum etwas beigetragen hatte und jede Dienstleistung in Rechnung stellte. Am Abend feierten wir den dennoch gelungenen Tag mit Kava.

Mit dem kleinen Motorboot fuhren wir zurück nach Vanua Lava, diesmal war die Fahrt noch wesentlich unbequemer. Ich hatte Glück und bin unter dem kleinen Dach relativ trocken geblieben. Aber auch diese Tour haben wir alle überstanden. In Vanua Lava verbrachten wir noch einen ruhigen Tag. Nach dem Frühstück am Strand, flogen wir am nächsten Morgen zurück nach Santo. Dort hatten wir gerade noch Zeit auf dem Markt Obst und Gemüse zu kaufen, das in der Hauptstadt viel teurer ist. Anschließend ging es weiter nach Port Vila.

Wer ist denn diese Pam? Und warum hat sie alles kaputt gemacht?

I survived cyclone Pam! -2015

imageT-Shirts mit diesem Aufdruck begegneten mir immer wieder während meines Aufenthaltes in Vanuatu. Mitte März 2015 fegte Wirbelsturm Pam über die Inseln und richtete erhebliche Schäden an. Die südlichen Inseln erwischte es am härtesten.
Vanuatu gehört zu den am wenigsten entwickelten südpazifischen Staaten. Bei einer hohen Wahrscheinlichkeit für Naturkatastrophen ist es sehr schlecht auf diese vorbereitet.
Mit viel Unterstützung aus dem Ausland wurde bereits viel repariert und wiederaufgebaut. Die Inseln sind wieder grün, nur wer den Vergleich zu vorher hat, bemerkt die kahlen Stellen. Aber überall finden sich noch Spuren der Verwüstung. In Tanna gibt es kein Obst. Die Wälder sehen irgendwie durcheinander aus.

El niño sorgt dieses Jahr für anhaltende Dürre und es werden mehrere heftige Zyklone erwartet.

In Port Olry auf Santo

IMG_4907In Santo wurde ich vom Flughafen abgeholt und verbrachte einige Tage bei Anna und ihrer Familie im Dorf Port Olry. Ich wurde sofort in den Kreis der Familie aufgenommen und fühlte mich sehr wohl. Die Häuser stehen dicht beisammen und so trifft man immer irgendjemanden, der unter dem großen Baum sitzt oder draußen beschäftigt ist. Die Häuser hier sind teilweise aus Beton, die sanitären Einrichtungen sind jedoch ähnlich wie in Tanna. Da gerade neue Leitungen verlegt werden, gibt es auch hier keinen Strom und fließend Wasser vom zentralen Wasserhahn nur zu bestimmten Zeiten.

IMG_4886Beim Spaziergang durch das Dorf zeigte mir Anna den Weihnachtsbaum(Delonix regia), der immer um die Weihnachtszeit blüht.

Mit Anna und ihren Cousinen lief ich ein Stück nach Fresh Water. Ein hübscher klarer kühler Fluß. Hier verbrachten wir den Tag bei Verwandten. Wir badeten im kalten Wasser. Hier ist es üblich mit Kleidung baden zu gehen. SAM_9569Das ist zwar praktisch, da man jeder Zeit ins kühle Nass hüpfen kann, aber es dauert lange bis alles wieder trocken ist. Wir saßen auf dem Rasen, während nicht weit von uns ein Bulle graste. Die Mädchen öffneten mit großen Buschmessern Kokosnüsse. Wenn die Nuss beginnt zu keimen, bildet sich aus Fruchtfleisch und Kokoswasser eine Art Schwamm, der sich herauslösen lässt. Ein süßer Snack. Die Hühner und Katzen knabberten an den Resten der Kokosnüsse. Als ich anfing eine Katze zu streicheln, beobachtete mich die kleine Kayla, 2 Jahre, ganz fasziniert. Wie alle anderen schubste sie die Katze nur zur Seite oder gab ihr einen Klaps, wenn sie im Weg war. Wir aßen den ganzen Tag über süße Ananas und Papaya aus dem eigenen Garten. Ein wunderschöner Ausflug!

Am nächsten IMG_4967Morgen fuhren wir zum Champagne Beach, der Touristenatraktion der Insel. Wir waren schon sehr früh dort und hatten den herrlichen Sandstrand nur für uns. Anschließend fuhren wir zu einem Blue Hole, das wir ebenfalls für uns hatten, da es im Besitz der Famile ist. IMG_5009Das blaugrün schimmernde Wasser war so klar, dass sich die tatsächliche Tiefe gar nicht abschätzen ließ, es sollen an die 50 Meter sein.
Am Abend kochten wir zusammen. Wie üblich wurde mit offenem Feuer gekocht. Eine der Tanten zeigte mir wie Laplap hergestellt wird. Die Süßkartoffeln werden zusammen mit Kokosmilch in Bananenblätter eingepackt und IMG_5032in der Glut mit heißen Steinen bedeckt gegart. Ich war fasziniert von den vielen verschiedenen Obstbäumen zwischen den Häusern. Da gab es Zitronen, Lidschi, Grapefruits, Brotfrucht. Wenn man Lust auf einen Snack hat, bedient man sich einfach. Wir ernteten Papaya und Maracujas für Saft. Die Männer bereiteten derweil das Kava zu.
IMG_5060Außerdem gab es fritierte süße Minibananen, Kürbissuppe, Krautsalat, Steak und Reis. Wie gewohnt aßen wir auf einer Pandanusmatte auf dem Boden. Es war schon dunkel, Licht spendete der Mond und kleine Solarlampen.

Kava-Musik

Kava (Piper methysticum) ist eine Wurzel, die mit dem schwarzen Pfeffer verwandt ist. Es wird in Vanuatu als Genussmittel verwendet, findet aber auch als Medizin Verwendung. Kava wirkt leicht schmerzstillend, mildert Angst- und Spannungszustände, führt zu leichter Euphorie und Gesprächigkeit. Bei vermehrtem Konsum und langer Einnahmedauer kann Kava unter anderem zu Leberschäden führen.

IMG_4816In jedem Ort in Vanuatu gibt es einige Nakamals („Ort des Friedens“) hier versammeln sich die Männer zum Kavatrinken, vor allem ab Freitag über das ganze Wochenende, aber oft auch unter der Woche. Das ist normalerweise reine Männersache, außer in den Nakamals in der Hauptstadt.

Traditionell wird die Wurzel von jungfräulichen Knaben gekaut. Da der Bedarf allerdings für so eine zeitintensive Prozedur zu hoch ist, wird auf Alternativen zurück gegriffen. In den Dörfern auf Tanna und Santo half ich bei der Zubereitung. Die Wurzel wird gesäubert und in kleine Stücke geschnitten. Diese werden mehrfach durch einen Fleischwolf gedreht bis ein dicker Brei entsteht. In Tüchern wird nun der Saft ausgepresst. Diese Mischung wird mit ein wenig Wasser verdünnt und fertig ist der „local juice“.
Bei einem Barbecue in Port Vila wurde ich von Nachbarn zum Kavatrinken eingeladen. Aus einem großen Eimer wurde die schlammgraue Flüssigkeit in eine Schale geschöpft. Es riecht seltsamerweise wie frische Salatgurke. Nach Anweisung trank ich die Schale in einem Zug leer. Der Geschmack ist abscheulich, erdig mit etwas Zigarettenasche. Es kratzte im Hals und langsam wurden meine Lippen und Zunge taub. Ich hatte das Gefühl meine Zunge schwillt an. Ich fühlte mich besonders anfangs leicht benebelt. Wegen des besseren Effekts wird Kava vor dem Essen konsumiert. Mir war ganz flau im Magen. Erst nach dem deftigen Grillfleisch ging es mir besser. Im Verlauf des Abends war ich schrecklich müde. Mein Kopf wurde ganz schwer und am liebsten hätte ich ihn auf der Tischplatte abgelegt.

Da der Geschmack von Kava so eklig ist und das bei regelmäßigem Genuss nur schlimmer werden soll, hört man rings um die Nakamals ein ständiges inniges Räuspern und Ausspucken. Diese widerlichen Geräusche werden auch liebevoll Kava-Musik genannt.

Inselabenteuer am Fuße des Vulkans

Mein grober Plan war mich bei einer der Hilfsorganisationen als Freiwillige nützlich machen. Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus. Es bestand zwar großes Interesse, aber keiner wusste wie und wo genau ich mich registrieren muß. Es ist nicht leicht hier umsonst zu arbeiten. Ich hätte mich gerne im Woman Centre nützlich gemacht, nur war leider kein Verantwortlicher anzutreffen. Häusliche Gewalt ist in Vanuatu sehr verbreitet und auch außerhalb der eigenen vier Wände wird meist weggeschaut. Wenn eine Frau ihren gewalttätigen Mann verlässt und bei ihren Eltern Schutz sucht, wird sie höchstwahrscheinlich umgehend zum Ehemann zurückgeschickt. Im Woman Centre können die Betroffenen wenigstens kurzfristig unterkommen, aber wenn sie Kinder dabei haben, wird es schon schwieriger. Auch die Polizei ist keine Hilfe. Ich habe es selbst bei einer Auseinandersetzung unter Nachbarn erlebt und die Polizei als schlichtender Vermittler benötigt wurde. Entweder ist (angeblich) gerade kein Fahrzeug verfügbar oder der Sprit ist alle. Das französische Rote Kreuz zeigte sich von meiner Anfrage begeistert, als es um die offizielle Registrierung als Volunteer ging, ließen sie leider nichts mehr von sich hören. Das Büro von Save the children fand ich erst nach langer Suche. Es war klammheimlich umgezogen. 
Letztenendes kam es dann doch ganz anders als geplant…

IMG_4793Schon am ersten Abend hatte ich im Hostel einen Mitarbeiter von Unicef kennengelernt. Er nahm mich mit ins Büro und ich lernte einige der Mitarbeiter kennen, darunter auch Julie aus England. Ich half ihr einen Tag lang Schulkisten (school-in-a-box) zu versenden. Das Material für den Unterricht für 40 Kinder findet in einer Box von 20 Kilogramm Platz.

Mit Julie verbrachte ich später einen Tag am Strand und in ihrem Bungalow außerhalb der Stadt in Pango. In einer abenteuerlichen Aktion gelang es ihr samstags nach 12 Uhr Alkohol zu kaufen. Ihr Friseur hatte ihr einen Tipp gegeben… Laut Gesetz kann man in Vanuatu von Samstagmittag bis Montagmorgen keinen Alkohol kaufen.

Als ich ein paar Tage später bei Unicef vorbeischaute, frustriert von der Bürokratie, lernte ich Rebecca kennen. Sie erzählte von ihren anstehenden Trips auf die Inseln und lud mich spontan ein sie zu begleiten und bei ihrer Familie zu wohnen. Ich war begeistert und organisierte meine Flüge. Ganz so leicht sollte es doch nicht werden, denn Rebeccas Reisepläne änderten sich mehrfach.

Zuerst flog ich in den Süden nach Tanna. Ich hatte nur eine grobe Ahnung wo ich hinwollte. Rebecca meinte ich könne bei Bev schlafen, sie sei im Ort bekannt. Der Busfahrer kannte sie leider nicht. Zum Glück stieg eine ältere Dame ein, die sich als Bevs Nachbarin herausstellte. Dummerweise waren alle Zimmer belegt. Ich wollte eigentlich eine Nacht lang in Lenakel, dem größten Ort auf Tanna, bleiben und anschließend in das Dorf von Rebeccas Familie fahren. Bev meinte, ich könne auch heute schon fahren und rief ihre Mutter an, die mich auch sehr gerne aufnehmen würde. Zuerst besorgte ich noch Wasser. Es gibt recht viele kleine Läden, aber oft sind die Regale fast leer. Unterwegs wurde ich freundlich gegrüßt. Die Frauen trugen stolz ihre Babies vor sich her. Ein kleiner imagenackter Junge rief mir begeistert „Hello“ zu. Irgendwann am Nachmittag kam ein Fahrer, der mich auf die andere Seite der Insel bringen sollte. Er wusste doch nicht so genau zu wem er mich bringen sollte und so landete ich bei Jocelyn. Nach einiger Verwirrung lud sie mich ein bei ihr zu bleiben, stellte mich der Familie vor und ich wurde herzlich in der Gemeinschaft aufgenommen. Sie IMG_4769bestanden darauf zu Ehren meines Besuchs ein Huhn zu schlachten, das wir mit Nudeln, Maniok, und Taro aßen. Gekocht und gegessen wird in einer Wellblechhütte. Wir saßen auf einem Podest auf Matten aus Palmenblättern. Unterdessen liefen auf dem Boden Hühner mit ihren Kücken herum und vor der Hütte balgten sich die Schweinchen mit den Hunden. Alle Bewohner waren sehr interessiert daran vom exotischen Deutschland zu hören.Sie hatten uns bei der Fußballweltmeisterschaft kräftig die Daumen gedrückt. Özil… steht bei den Damen hoch im Kurs. Trotzdem hatte niemand eine Vorstellung wie es bei uns so aussieht. „Es gibt keine Palmen?“ Meistens waren die ersten persönlichen Fragen als was mein Vater arbeitet und wieviele Brüder ich habe. Gespannt betrachteten sie meine Familienfotos und Berlin-Postkarten. imageDie Verständigung war glücklicherweise einfach. Fast alle sprechen gut Englisch, die anderen Französisch. Es war ein langer Tag und es fiel mir zunehmend schwerer der Unterhaltung zu folgen. Ich legte mich auf eine der Matten und döste ein, während ich den Erzählungen im melodischen Bislama lauschte.

IMG_4722Ich war von mir selbst überrascht wie wenig mich Stadtkind das einfache Dorfleben störte. Es gab die Wahl zwischen Plumpsklo oder Loch im Boden im engen Wellblechverschlag. Die Dusche liegt in einer improvisierten Kabine aus Zeltplane und Wellblech. In der Dorfmitte steht ein zentraler Wasserhahn. Es gibt keinen Strom, nur ein paar Solarlampen und kleine solarbetriebene Generatoren um das Handy aufzuladen. Erstaunlicherweise gibt es im Dorf Handyempfang. Nach dem zweiten Tag gab es leider kein fließendes Wasser mehr.

imageIch schlief bei der Oma in einer Wellblechhütte, auf einer Matte auf dem Boden. Ein wenig Privatsphäre boten aufgehängte Tücher, die auch als Wandverkleidung dienten. Morgens krähten die Hähne um die Wette. Das tiefe Grollen war kein morgendliches Gewitter, sondern der Mount Yasur, der sich immer wieder bemerkbar machte. In der Ferne sah man den rauchenden Krater und auch die Asche des Vulkans war allgegenwärtig. Eines Morgens war eine Maus zu Besuch, die sich an meinen Crackern und Müsli zu schaffen machte. Nachdem mich auch der Chief, das Oberhaupt des Dorfes offiziell IMG_4704willkommengeheißen hatte, lernte ich bei Rose Pandanusmatten zu flechten. Das Muster war recht kompliziert, aber sie wies mich geduldig an. Während wir uns unterhielten, stellte sie eine kleinere Matte fertig, die sie mir als Andenken schenkte.

Bei einer anderen Gelegenheit lernte ich im benachbarten Dorf Matten aus frischen Palmenblättern zu weben. Soetwas hatte ich im Amazonas auch schon probiert. Die neuen Matten werden immer um Weihnachten hergestellt und ein IMG_4706ganzes Jahr lang verwendet. Eine ältere Dame leitete mich an und gemeinsam stellten wir die Matte fertig. Dabei wurde ich sehr neugierig von den Kindern beobachtet. Allmählich wurden sie mutiger und trauten sich näher heran. Sie amüsierten sich darüber wie meine Haut die Farbe ändert, wenn man daraufdrückt. Sie fuhren mir fasziniert durch das Haar, das so ungewohnt glatt ist. Irgendwann begann jemand meine Haare zu flechten. Als ich mit der Dame plauderte, stellte sich heraus dass sie Rebeccas Oma ist.

Später lernte ich doch noch Bevs Mutter Nomalin kennen. Sie erzählte mir von ihrer ersten Reise nach Sydney. Wie sie die Rolltreppen beobachtete, ehe sie sich traute sie zu benutzen und ihrem anhaltenden Mißtrauen Fahrstühlen gegenüber.

IMG_4751Mit ein paar Mädchen lief ich Richtung Mount Yasur, dem Vulkan. Wir liefen über das große Aschefeld. Ringsum liegen ein paar kleine Palmeninseln. Die Mädchen fragten mich über Deutschland aus. Ich erzählte ihnen von unserem Winter und versuchte ihnen zu erklären was Schnee ist. In dieser Umgebung kam es allerdings auch mir wie ein seltsames Märchen vor. Wir rutschen einen Hügel aus Asche hinunter, das kommt Rodeln zumindest nahe. Später fuhren wir mit einem Jeep über eine kurvenreiche holprige Straße auf den Vulkan. An veschiedenen Stellen rauchte die Erde. IMG_4807 Aus der Ferne sah es nach Regen aus, das war jedoch die Aschewolke über dem Krater. Als wir endlich den Parkplatz erreichten, war ich überrascht, dass die Älteren gar nicht aussteigen wollten, sondern lieber im Auto warten wollten. Nur zwei mutige Mädels stiegen tapfer mit mir und Sam hoch zum Krater. Der Dunst war so dicht, vom Krater sah man nichts als eine weiße Wand. Es war kaum zu unterscheiden auf welcher Seite der Krater liegt und wo der Abhang. Es wehte ein feuchter kühler Wind. Das dumpfe Grollen wurde alle paar Minuten von einem mächtigen unheimlichen Donnern abgelöst. Nun verstand ich warum die Kinder nicht mitkommen wollten.IMG_4772

Am Samstagabend kamen einige Frauen zusammen und alle teilten ihr Essen miteinander. Es gab Maniok, Taro, Maiskolben und Fleisch. Unterdessen feierten die Kinder ihre eigene Party. Sie spielten unter dem Banyanbaum Musik und tanzten ausgelassen. Sie holten mich dazu, umkreisten mich und zeigten mir stolz ihre Moves, die beeindruckend waren, jedoch ganz und gar nicht altersgemäß. IMG_4779

IMG_4857Mit Jocelyn und Sam fuhr ich auf die andere Seite der Insel zur Schule des kleinen Sams. Es fand die Schulabschlussfeier zu Beginn der Sommerferien statt. Mit den Müttern bereitete ich auf der Wiese die Sandwiches für das anschließende Picknick vor. IMG_4835Die Familien machten es sich auf dem Rasen bequem und die Schüler saßen in einem improvisierten Zelt. Das Programm schien kein Ende nehmen zu wollen. Nach dem Lehrerchor gab es einige langatmige Reden, während die Familien in der Sonne saßen und die Schüler in dem dunklen Zelt schwitzten. Als endlich der Schülerchor an der Reihe war, hatte sich das Publikum schon sehr verstreut und in den Schatten geflüchtet. Obwohl die Sonne IMG_4859unerbittlich brannte, sah ich kaum jemanden etwas trinken. Generell beträgt die tägliche Trinkmenge weniger als einen halben Liter. Als die Veranstaltung zu Ende war, schritten die Schüler wie benebelt aus dem Zelt. Zuletzt gab es ein großes Händeschütteln um die Lehrer für die Sommerferien und die Schulabgänger zu verabschieden. Die Schulgebühren sind sehr hoch in Vanuatu. Wenn die Kosten nicht mehr tragbar sind, bleibt der Nachwuchs eben zu Hause.

Die letzte Nacht auf Tanna verbrachte ich mit Rebecca und ihren Kollegen in einem kleinen Resort. Sie drehten eine kleine Dokumentation über den 9-jährigen John aus Tanna. Nach vier Tagen habe ich mich unwahrscheinlich über den Luxus eines Badezimmers und einer Dusche gefreut.

Als John gefragt wurde was er später werden will, sagte er, er wolle reich werden. Und was bedeutet das genau für ihn? -Wenn man Essen kauft und danach noch Geld übrig ist.
Das stimmt nachdenklich….

Vanuatu – Verstecktes Paradies

Vom Flugzeug aus bot sich ein spektakulärer Ausblick auf das Meer und die Inseln Neukaledoniens und Vanuatus. Schon nach der Landung in Port Vila war spürbar, dass hier auf den Inseln alles langsamer vor sich geht. Da ich länger bleiben wollte als das 30 Tage Touristenvisum zuließ, wurde ich schon bei der Einreise angewiesen mich im Immigrationbüro zu melden um das nötige Visum zu beantragen. Nach dem Zoll begrüßte eine Band in bunten Hemden mit entspannter Inselmusik die Neuankömmlinge. Mein ehemaliger Chef Dr. Leben und seine Frau holten mich ab und empfingen mich herzlich auf der Insel. Beim Mittagessen mit Blick auf die Bucht, berichteten sie lebhaft von ihren Erfahrungen und den Eigenheiten der Bewohner. Sie arbeiten derzeit als Missionare für die Kirche der Mormonen. Sie organisieren Baumaterial und Schulungen für sturmsicheren Hausbau. Ohne diese beiden wäre ich vielleicht nie auf die Idee gekommen nach Vanuatu zu reisen.

IMG_4600Bei meiner Ankunft hatte ich noch keine genaue Vorstellung was mich hier erwarten würde. Es war spannend mir relativ unvoreingenommen nach und nach ein Bild zu machen.
Vanuatu hat 250 000 Einwohner, die sich auf 83 Inseln verteilen. Das Inselgebiet breitet sich über 1300 Kilometer aus. Die offizielle Sprache ist Bislama, insgesamt gibt es jedoch 108 verschiedene Sprachen. In der Schule lernen die Kinder meist Englisch oder Französisch. Neben Bislama lernen sie nebenbei die Sprache des aktuellen Wohnortes. Die Sprache des Herkunftsortes von Mutter und Vater wird meist auch gesprochen. Da ist ein Busfahrer, der 5 Sprachen spricht, keine Besonderheit.

Nur ein paar Tage nach meiner Ankunft gingen wir gemeinsam ins Kino. Zufällig war gerade ein Film über Vanuatu angelaufen. In Zusammenarbeit mit Australien entstand der tolle Film TANNA. Eine Romeo-und-Julia Geschichte, die einen Einblick in das ursprüngliche Stammesleben bietet. Den Trailer findet ihr hier. Ich hatte nicht viel erwartet, aber die fantastischen Bilder haben mich tief beeindruckt.

In den nächsten Tagen erkundete ich Port Vila und Umgebung. Manchmal begleitete mich dabei Michael, der Manager der City Lodge. Er zeigte mir die Seesterne am Strand des La Lagon Resorts und wir besuchten die Feuershow der Firedancers in der Beach Bar.
Wenn ein Kreuzfahrtschiff im Hafen ankerte, veränderte sich das Stadtleben dramatisch. Die Preise waren höher -noch höher- und die Straßen überfüllt von sonnenverbrannten Touristen.

IMG_4593Der Markt ist faszinierend. Die Frauen verkaufen alles was in ihrem Garten wächst und sie nicht selbst verbrauchen. Dabei wird nicht gehandelt, die Preise sind festgelegt und alles wird in den Mengen verkauft, die ausliegen. Wenn es für den Käufer zu viel ist, wird der Rest mit den Nachbarn geteilt. So war es auch in der Hostelküche.

Im Secret Garden, eher eine Art Freiluftmuseum, las ich mich durch die Costom-Geschichten und die Geschichte des Landes. Jede der vielen Inseln hat eigene Legenden und Bräuche. Es gibt auch Beiträge zum Kanibalismus. Der letzte (bekannte) Fall trat noch in den 60er Jahren auf. Meist wurde der Gegner nach einem Kampf verspeist um Macht über ihn zu erlangen. Später erzählte mir Sam, den ich auf Tanna kennenlernte, dass dort auch Mitglieder des eigenen Stammes getötet wurden, wenn diese ein Verbrechen begangen hatten. Der Leichnam wurde jedoch zu einem anderen Stamm geschickt, der ihn verspeiste. Damit niemand in die Verlegenheit geriet die eigenen Angehörigen zu essen.

Im National Museum gab es noch mehr über die Bräuche Vanuatus zu lernen. Auf Pentecost wird das nanggol, das Landtauchen, praktiziert. Als Initiationsritus springen die Jungen mit um die Fesseln gebundenen Lianen von einem Holzturm. Das gilt als der Ursprung des Bungeejumpings.

IMG_4661Ich besuchte die Pilioko-Gallery-Foundation. Aloi Pilioko ist einer der bekanntesten Künstler des Südpazifiks. Die Galerie umschließt den Garten, das Atelier und das kunterbunte Haus. Ich konnte nicht nur Pilioko persönlich kennenlernen, der mich einlud auch das Haus zu besichtigen, sondern auch seinen Patensohn und Neffen, der aus Paris zu Besuch war. Das Haus mit Meerblick wird von kreativem Chaos beherrscht. Es IMG_4650 - Copyist eine Ansammlung von Malereien, die nicht nur überall an den Wänden und Balken hängen, sondern auch alle Oberflächen bedecken. Nach der Besichtigung, wurde ich zum Tee eingeladen.

Bevor ich mich zu den anderen Inseln aufmachte, nahmen mich die Lebens mit auf einen Ausflug um die Insel Efate. Wir besuchten eine Wohnsiedlung,IMG_4516 in der demnächst auch Häuser gebaut werden sollen. Die Kirche bezahlt das Baumaterial, um den Boden und die Wandverkleidung müssen sich die Beschenkten selbst kümmern, damit sie auch ihren Beitrag leisten. Je weiter wir fuhren, desto kleiner wurden die Siedlungen, die Behausungen einfacher. Die Bewohner beobachteten uns neugierig vom Staßenrand aus. Am Wasser mit Blick auf die Inseln genossen wir die Puddingteilchen aus der französischen Bäckerei. Als wir eine hübsche Badestelle gefunden hatten, liefen wir ins seichte Wasser und versuchten zur gegenüber liegenden Insel zu schwimmen. Das IMG_4539war gar nicht so leicht, da das Wasser wirklich sehr flach war und der Grund bedeckt von Steinen und Wasserpflanzen. Wenn ich damals bei meinem Einstellungsgespräch gewusst hätte, dass ich eines schönen Tages mit meinem Chef in der Südsee schwimmen gehen würde… Während wir in der Sonne trockneten, gesellten sich zwei Frauen zu uns. Sie waren neugierig und fragten uns aus, was uns hierher führt. Wenn man wissen will was da für Leute daherkommen, dann geht man einfach hin und fragt. Die Menschen hier sind sehr offen und neugierig, aber dabei überhaupt nicht aufdringlich. Auf dem Weg IMG_4569die Küste entlang gab es immer wieder hübsche Ecken zu entdecken. Wir warfen nur einen kurzen Blick auf den hübschen Eton Beach. In der Blue Lagoon beobachteten wir wie sich die Teenager an Seilen gekonnt ins Wasser schwangen. An einem schönen Flußlauf, dessen Terrassen kleine Pools bilden, wurde fröhlich gebadet und direkt daneben Wäsche gewaschen. Den schönen Tag beschlossen wir mit leckeren Pizzen in einem französischen Restaurant.