Als ich aus dem Norden zurückkehrte, zog ich bei Karen und Charlie ein. Ich hatte Karen mit Angela auf einem Parkplatz getroffen und sie lud mich spontan ein auch ein paar Tage in ihrem Haus in Strandnähe zu verbringen. Schon von der Terrasse kann man den Bethells Beach sehen. Dieser malerische Strand mit schwarzem Sand soll schon mehrfach als Filmkulisse gedient haben.
Abends besuchten Karen und ich ihre Freundin Kelly zu einem Weihnachts-Umtrunk. Wir saßen auf der Terrasse machten uns einen schönen Abend mit gutem Wein und Käseplatte.
Über die Weihnachtszeit hatte ich mir noch nicht viele Gedanken gemacht und stellte vor einigen Tagen schockiert fest, dass die Feiertage auf der Coromandel-Halbinsel komplett ausgebucht waren. Zum Glück lud mich die liebe Karen ganz herzlich dazu ein mit der Familie zu feiern.
Vorher wollte ich noch etwas von der Innenstadt Aucklands sehen. Ich habe auch noch nach Geschenken gesucht. Es gab einige niedliche Läden zu entdecken und viele Schnäppchen. Gefunden habe ich einen Tagesrucksack für mich (Danke Mutti) und eine Keksdose. Abends habe ich im trubeligen Hostel Weihnachtskekse für meine Gastgeber gebacken.
Im Albert Park duftete es herrlich und es gab eine Speaker’s Corner wie im Londoner Hyde Park. Da darf jeder, der Lust darauf hat, große oder kleine Reden zum Besten geben. Am Fischmarkt gönnte ich mir einen herrlichen Raw fish salad (so ähnlich wie Ceviche mit Kokosmilch) mit Blick auf den Hafen.
Auf dem Mount Eden war ich mit Angela und Chris. Von dort bietet sich ein Überblick auf die ganze Stadt.
Einen Tag lang verbrachte ich mit Karen im hübschen Devonport, ein Stadtteil Aucklands. Wir stiegen auf den Mount Victoria und blickten auf das Stadtzentrum. Danach stöberten wir in den niedlichen Läden und besuchten das Navy Museum.
Den bewölkt-verregneten Heiligabend verbrachte ich auf Waiheke Island. Mit der Fähre fuhr ich schon früh auf die Insel. Ich wanderte mit einem groben Plan über die Insel. Dabei lief ich kurze Teilstrecken des 100 Kilometer langen Inselrundweges. Ich stapfte durch Wetlands, an malerischen Buchten und Stränden vorbei. Dabei hatte ich immer wieder ein Weihnachtslied im Ohr, aber ansonsten kam beim Wandern keine Weihnachtsstimmung auf. Irgendwie bin ich versehentlich vom Wanderweg im Norden der Insel auf die südliche Route geraten. So war der Weg zu den Winzereien etwas länger. Mittlerweile hatte sich die Wolkendecke immer weiter zugezogen und es nieselte ein wenig.
Ich probierte einige Weine, als es anfing so richtig zu schütten. Aber mit einem schönen Wein im Trockenen war das nicht so tragisch. Durch den Regen lief ich zur nächsten Winzerei nach nebenan. Da schließlich Heiligabend war, gönnte ich mir ein dekadentes Mittagessen. Das Wild war wirklich hervorragend.
Die Feiertage verbrachte ich bei Karen und Charlie. Am 25. Dezember gab es mittags ein Familienessen mit Karens Eltern, den Söhnen Ben und Ethan mit Freundin Jayne. Es war eine lustige Runde mit vielen derben Witzen.
Karren arbeitet für einen mobilen Streichelzoo, Old McDonald’s Farm. Wir machten am Nachmittag einen Abstecher um die Tiere zu füttern. Wir streichelten die Meerschweinchen, Kaninchen, Ratten, Ziegen und die Shetlandponys, die sich von hinten an uns heranschlichen.
Abends traf sich die Familie zum Weihnachtsgrillen bei Karens Bruder Martin. Bis auf den Weihnachtsbaum hätte es auch ein gewöhnlicher sommerlicher Grillabend sein können. Oma Loraine kippte mir beim gestenreichen
Erzählen ihren Wein über die Hose. Als Entschädigung gab sie mir das Rezept für ihr Pavlova…, das umwerfende Dessert aus Baiser und Sahne.
Am 26., dem Boxing Day, versengte ich mir die Füße im heißen schwarzen Sand von Bethells Beach. In der Sonne heizt sich der Sand auf und so kann man sich schon nach wenigen Schritten die Fusssohlen verbrennen. Im nassen Sand spiegelte sich der Himmel, in der Sonne glitzerte er und schimmerte dunkelblau.
Am Abend fuhr ich mit Karen zum Speedway zum Autorennen. Opa Rob ist mit seinen rüstigen 72 Jahren aktiver Rennfahrer. Die Boxen sind sowieso für Zuschauer zugänglich, aber so war es viel interessanter mitzufiebern und zuzusehen wie die ganze Familie bei den Vorbereitungen hilft und das Auto flott macht. Wegen der vielen Sicherheitsvorkehrungen dauert es eine ganze Weile den Fahrer in den Wagen einzubauen. Es gab mehrere Rennen in verschiedenen Klassen, auch Kinder von 10-12 Jahren fuhren in kleineren Rennautos mit. Wir beobachteten die Rennen von verschiedenen Standpunkten aus. In der Kurve, wo der Dreck fliegt, kann man auch mal den ein oder anderen
Erdklumpen abbekommen. Es wurde allmählich dunkel und gleichzeitig staubiger. Während der letzten Rennen wurden wir mit dem rötlichen Staub bedeckt.
Es gab ein paar spektakuläre Unfälle, zum Glück ist den Fahrern nichts passiert. Sie stiegen allesamt unversehrt aus den Autos.
Weil es so schön war, bin ich zwei Tage später wieder zum Autorennen mitgekommen.
Diesmal durfte ich mit dem Pushcar mitfahren, das sind die Jeeps, die die Rennwagen vor dem Rennen anschupsen, da sie nicht alleine starten können. Vom inneren Feld aus hatte ich einen sehr interessanten Blick auf das Rennen. Mittendrin statt nur dabei! Nur wird es einem auch schnell schwindelig, wenn man den Autos hinterherschaut.
Einer von Robs Helfern ist Dave, er lud mich ein mit ihm Segeln zu gehen. Es war ein sonniger Tag auf der Lou Anne. Ich steuerte sie durch die Untiefen am Riff vorbei hinaus Richtung Auckland. Wir setzten die Segel, aber leider kamen wir nicht sehr weit. Es gab kaum Wind. Trotzdem war es schön mal wieder auf dem Wasser unterwegs zu sein.
Der Abschied von Karen und Charlie fiel schwer, bei den beiden habe ich mich wie zu Hause gefühlt. Wir fuhren zum Abschied noch kurz zu den Großeltern Loraine und Rob. Rob zeigte mir stolz seinen Ford von 1946. Sogar für mich Autoignorantin war es ein aufregedes Erlebnis in diesem Liebhaberstück eine Runde zu drehen. Ohne Sicherheitsgurte und Blinker ratterten wir über die Landstraße.
Wie auch in Vanuatu wird der Feiertag, wenn er auf das Wochenende fällt, am Montag nachgeholt. Da dieses Jahr der 26. Dezember auf den Samstag fällt, wird Montag, der 28. ein Feiertag. Ich finde das sollten wir auch in Deutschland einführen!